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ABDA legt Fünf-Punkte-Plan für eine starke Arzneimittelversorgung vor

Mit einem klaren gesundheitspolitischen Apell startet ABDA-Präsident Thomas Preis auf der Auftakt-Pressekonferenz einen Tag vor dem Deutschen Apothekertag. Dabei stellt er die Analyse der ABDA zur aktuellen Lage der Apotheken vor und präsentiert einen Fünf-Punkte-Forderungskatalog an die Politik. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Arzneimittelversorgung in Deutschland auch künftig flächendeckend, patientennah und krisenfest gesichert werden kann.

Zwar zeigen die aktuellen Daten aus den Apothekenklima-Index 2026 erste vorsichtige Signale der Stabilisierung, von einer nachhaltigen Entspannung kann jedoch keine Rede sein. Die Zahl der Apotheken ist im ersten Halbjahr 2026 erneut auf einen historischen Tiefstand von 16.488 Betriebsstätten gesunken. Gleichzeitig sehen viele Apothekerinnen und Apotheker die beschlossene Honoraranpassung lediglich als ersten Schritt.

Person in blauem Anzug mit Brille sitzt an einem Podiumstisch vor einer ABDA-Pressewand und spricht während einer Pressekonferenz. Im Vordergrund ist ein Namensschild sichtbar, im Hintergrund sind mehrfach das ABDA-Logo und der Veranstaltungsort PresseClub München zu sehen.
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Thomas Preis, Präsident der ABDA, stellte bei der Auftakt-Pressekonferenz zum Deutschen Apothekertag 2026 einen Fünf-Punkte-Forderungskatalog vor, mit dem die Arzneimittelversorgung in Deutschland langfristig gestärkt werden soll.

„Die ersten Lichtblicke dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Apotheken wirtschaftlich weiter unter Druck stehen“, machte Preis deutlich. „Jetzt kommt es darauf an, die Stärkung der Apotheken konsequent umzusetzen und neue Schwächungen – wie beispielsweise den erhöhten Apothekenabschlag zugunsten der Krankenkassen – wieder zurückzunehmen.“

Vor diesem Hintergrund fordert er eine konsequente Stärkung der Apotheken. Dazu gehören eine wirtschaftlich tragfähige Finanzierung, der weitere Ausbau pharmazeutische Dienstleistungen sowie eine stärkere Einbindung der Apotheken in die Primärversorgung. Gerade bei Prävention, Impfungen, Medikationsmanagement und der Früherkennung von Erkrankungen könnten Apotheken künftig noch mehr Verantwortung übernehmen. Die gesetzlichen Grundlagen dafür wurden bereits erweitert.

„Die Apotheken können in Zukunft deutlich mehr für die Patientinnen und Patienten leisten, als sie heute leisten dürfen“, sagte Preis. „Dieses Potenzial sollte die Politik konsequent für die Primärversorgung der Zukunft einsetzen.“

Auch beim Versandhandelt sieht die Preis Handlungsbedarf. Aus Sicht der Apothekerschaft müssen für alle Anbieter, die Patientinnen und Patienten in Deutschland versorgen, dieselben gesetzlichen Regeln gelten. Wettbewerbsverzerrungen zulasten der Vor-Ort-Apotheken gefährden langfristig die flächendeckende Arzneimittelversorgung.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt zudem das Thema Krisenresilienz. Lieferengpässe und geopolitische Unsicherheiten hätten in den vergangenen Jahren die Verwundbarkeit globaler Lieferkette aufgezeigt. Deshalb fordert Preis eine stärkere Arzneimittelproduktion in Europa sowie die systematische Einbindung der Apotheken in die Krisenvorsorge des Gesundheitswesens.

Dabei unterstrich Preis die Bedeutung der wohnortnahen Apotheken für die Versorgungssicherheit „Ein resilientes Gesundheitswesen braucht ein flächendeckendes Netz leistungsfähiger Apotheken. Ohne Apotheken vor Ort gibt es keine verlässliche Arzneimittelversorgung im Krisenfall.“

Fünf-Punkte-Forderungskatalog

1. Apotheken wirtschaftlich nachhaltig stärken!

  • Die Anpassung des Apothekenhonorars in zwei Schritten wird der schwierigen wirtschaftlichen Situation der Apotheken nicht gerecht und wird das Apothekensterben nicht unmittelbar beenden.

  • Durch den bald auf 2,07 Euro erhöhten Kassenabschlag wird die geplante Stärkung der Apotheken sogar noch weiter abgeschwächt. Diese Maßnahme muss dringend überprüft werden.

  • Die Verhandlungen zur Honorardynamisierung ab 2028 müssen fair und verlässlich von der Politik begleitet werden.

2. Apotheken noch stärker in die Primärversorgung der Zukunft einbringen!

  • Beim Impfen, in der Diagnostik und bei der Früherkennung von Volkskrankheiten müssen Apotheken gestärkt werden.

  • Die pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) als zukunftsweisende Kompetenz von Apotheken gilt es auszubauen und weiterzuentwickeln.

  • Die Apotheken müssen verbindlich und dauerhaft in die Primärversorgung in Deutschland eingebunden werden.

3. Mehr Versorgung statt mehr Bürokratie!

  • Bürokratische Dokumentations-, Nachweis- und Abrechnungspflichten in den Apotheken müssen reduziert werden.

  • Die Digitalisierung muss praxistauglicher werden, damit die Patienten mehr Nutzen und die Apotheken weniger Aufwand haben.

  • Aufwand für Verwaltung und Digitalisierung darf nur entstehen, wenn er auch die Arzneimittelversorgung besser macht.

4. Versandhandel: Als Störfaktor für Versorgung eindämmen!

  • Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz hebt die Zuzahlungen ab 1.1.2027 an. Geltendes Recht muss überall umgesetzt werden.

  • Ausländische Versender werben allerdings mit der Umgehung der neuen Zuzahlungsregelung.

  • In § 43c Absatz 2 SGB V sollte ein ausdrückliches Verbot des Zuzahlungsverzichts und der Werbung verankert werden:
    „Apotheken dürfen außer in den Fällen des Absatzes 1 Satz 2 auf den Einzug der Zuzahlung für ärztlich verordnete Arzneimittel beim Versicherten nicht verzichten. Die Werbung mit einem Verzicht ist verboten.“

5. Apotheken als tragende Säule für Krisenresilienz stärken!

  • Die Lieferketten für Arzneimittel müssen stabilisiert werden, beispielsweise durch die Förderung der Arzneimittel-Produktion in Europa.

  • Apotheken müssen systematisch in die Krisenvorsorge des Gesundheitssystems eingebunden werden.

  • Die flächendeckende Versorgung in Krisenfällen lässt sich nur dadurch absichern, dass das Apothekennetz stabil und sicher bleibt.