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Durchführung von Schutzimpfungen

Hilfe zum Selbststudium für PTA

Schutzimpfungen gehören zu den wirksamsten präventiven Maßnahmen der modernen Medizin. Sie schützen den Einzelnen vor schweren Infektionskrankheiten und tragen gleichzeitig zur Verringerung der Krankheitslast in der Bevölkerung bei. Die Empfehlungen zur Durchführung von Impfungen in Deutschland werden von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) erarbeitet und regelmäßig aktualisiert. Die Empfehlungen beruhen auf wissenschaftlicher Evidenz und bilden die Grundlage für die tägliche Impfberatung und Impfpraxis.

1.3 Durchführung von Schutzimpfungen in Apotheken und Praxis

Die fachgerechte Durchführung von Schutzimpfungen erfordert Kenntnisse über Impfstoffe, Anatomie, Injektionstechniken, Hygiene und Notfallmanagement. Die meisten Impfstoffe, darunter Influenza-, COVID-19-, Pneumokokken-, HPV- und Zoster-Impfstoffe, werden intramuskulär in den Deltamuskel appliziert. Die Einhaltung der Kühlkette, korrekte Hygienemaßnahmen und eine strukturierte Nachbeobachtung gewährleisten die Sicherheit der Impfung. Obwohl schwere Komplikationen wie Anaphylaxien selten sind, muss jede impfende Einrichtung über einen schriftlichen Notfallplan und eine geeignete Notfallausrüstung verfügen. Grundlage des Impfhandelns in Deutschland sind die Empfehlungen der STIKO am Robert Koch-Institut.

Eine Impfung soll das Immunsystem gezielt auf den Kontakt mit einem Krankheitserreger vorbereiten. Dabei werden Antigene oder genetische Informationen verabreicht, die eine Immunantwort auslösen, ohne die Erkrankung selbst hervorzurufen.

Nach der Verabreichung aktiviert der Impfstoff unterschiedliche Komponenten des Immunsystems:

  • Antigen-präsentierende Zellen nehmen den Impfstoff auf.

  • T-Lymphozyten werden aktiviert.

  • B-Lymphozyten bilden spezifische Antikörper.

  • Gedächtniszellen entstehen und ermöglichen eine rasche Immunantwort bei erneutem Kontakt mit dem Erreger.

Das Ergebnis ist eine aktive Immunisierung, die je nach Impfstoff über Jahre oder Jahrzehnte bestehen kann.

Vor jeder Impfung müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Aufklärung der geimpften Person

  • Einverständnis zur Impfung

  • Prüfung von Kontraindikationen

  • Kontrolle des Impfstatus

  • Kontrolle von Impfstoff, Charge und Verfallsdatum

  • Dokumentation der Impfung.

Lebendimpfstoffe enthalten abgeschwächte, aber noch vermehrungsfähige Erreger. Sie können die eigentliche Erkrankung bei immungesunden Personen nicht auslösen, simulieren jedoch eine natürliche Infektion besonders wirksam. Dadurch entsteht häufig ein langanhaltender Schutz. Beispiele sind Masern, Mumps, Röteln, Varizellen und Rotaviren.

Totimpfstoffe enthalten keine vermehrungsfähigen Erreger. Sie bestehen aus:

  • abgetöteten Krankheitserregern,

  • Oberflächenproteinen,

  • Toxoiden,

  • Polysacchariden,

  • rekombinant hergestellten Antigenen.

Da keine Vermehrung im Körper stattfindet, sind Totimpfstoffe besonders sicher und können auch bei vielen immungeschwächten Personen eingesetzt werden. Häufig sind dafür aber mehrere Impfdosen und Auffrischungen notwendig.

Wichtige Totimpfstoffe sind z. B. Influenza, FSME, Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio (IPV), Hepatitis A, Hepatitis B, HPV, Pneumokokken, Meningokokken, Herpes Zoster und RSV-Impfstoffe.

mRNA-Impfstoffe stellen eine Besonderheit dar. Sie enthalten keine Krankheitserreger, sondern genetische Baupläne für Virusbestandteile. Die Körperzellen produzieren daraus vorübergehend das Zielprotein, gegen das anschließend eine Immunantwort aufgebaut wird. Die mRNA selbst wird anschließend rasch abgebaut.

Viele Totimpfstoffe enthalten sogenannte Adjuvanzien. Diese Wirkverstärker sorgen dafür, dass das Immunsystem stärker auf das Antigen reagiert. Dadurch kann oft eine geringere Antigenmenge eingesetzt werden und der Impfschutz hält länger an.

Zu den am häufigsten eingesetzten Adjuvanzien gehören: Aluminiumhydroxid, Aluminiumphosphat und Cholesterol-basierte liposomale Formulierung mit den Bezeichnungen AS01, AS03 und AS04.

Die Wirksamkeit von Impfstoffen hängt entscheidend von einer ununterbrochenen Kühlkette ab. Die Temperatur im Kühlschrank wird täglich dokumentiert.

Die meisten Impfstoffe müssen bei Temperaturen von +2 °C bis +8 °C gelagert werden. Eine Lagerung außerhalb dieses Bereichs kann zur Inaktivierung führen. Impfstoffe niemals einfrieren und vor Licht geschützt lagern. Darüber hinaus die Herstellerangaben beachten.

COVID-19-mRNA-Impfstoffe benötigen teilweise besondere Lagerbedingungen und dürfen nach dem Auftauen nur für einen begrenzten Zeitraum verwendet werden.

Der Musculus deltoideus am Oberarm ist die wichtigste Injektionsstelle für Impfungen bei Jugendlichen und Erwachsenen. Die Vorteile dieser Region sind eine gute Durchblutung und eine schnelle Antigenaufnahme. Außerdem besteht eine geringe Gefahr, größere Gefäße zu verletzen.

Die Injektion erfolgt in den mittleren Bereich des Muskels, etwa zwei bis drei Querfinger unterhalb der Schulterhöhe. [impfakademie.de]

Bei subkutanen Impfungen erfolgt die Applikation in das Unterhautfettgewebe.

Geeignete Regionen sind der Oberarm und die Außenseite des Oberschenkels.

Zur Durchführung einer Schutzimpfung werden benötigt:

  • Impfstoff

  • Fertigspritze oder Injektionsspritze

  • geeignete Kanüle

  • Händedesinfektionsmittel

  • Hautdesinfektionsmittel

  • sterile Tupfer

  • Pflaster

  • Kanülenabwurfbehälter

  • Notfallausrüstung

Kanülenwahl

Die Kanülenlänge muss an Alter, Geschlecht und Körpergewicht angepasst werden. Ziel ist die sichere Platzierung im Muskelgewebe. Zu kurze Kanülen erhöhen das Risiko einer versehentlichen subkutanen Injektion und damit lokaler Nebenwirkungen.

Die hygienische Durchführung schützt sowohl die geimpfte Person als auch das Personal.

Vor jeder Impfung ist eine hygienische Händedesinfektion durchzuführen. Anschließend erfolgt die Hautdesinfektion an der Einstichstelle mit Einhaltung der vorgeschriebenen Einwirkzeit. Erst nach vollständigem Antrocknen des Desinfektionsmittels darf injiziert werden.

Schutzmaßnahmen sind Händedesinfektion, bei Bedarf eine Flächendesinfektion, die Verwendung von sterilen Kanülen und aseptisches Arbeiten. Außerdem muss auf die sichere Entsorgung der Kanülen geachtet werden.

Die KRINKO weist darauf hin, dass Einmalhandschuhe bei normalen Impfungen nicht routinemäßig erforderlich sind. Sie dienen primär dem Eigenschutz bei möglichem Kontakt mit Körperflüssigkeiten.

Die meisten Impfstoffe werden intramuskulär appliziert. Dazu gehören u.a. Influenza-Impfstoffe, COVID-19-Impfstoffe, Pneumokokken-Impfstoffe, HPV-Impfstoffe sowie Herpes-zoster-Impfstoffe.

Durchführung

Der Patient sitzt entspannt aufrecht oder liegt.

  1. Haut desinfizieren.

  2. Haut spannen.

  3. Kanüle senkrecht einführen.

  4. Einstichwinkel 90°.

  5. Impfstoff langsam injizieren.

  6. Kanüle entfernen.

  7. Tupfer auflegen.

Einige Impfstoffe werden subkutan verabreicht. Hierzu zählen bestimmte Lebendimpfstoffe und einzelne Totimpfstoffe bei besonderen Indikationen. Maßgeblich ist die jeweilige Fachinformation.

Durchführung

  • Hautfalte anheben

  • Winkel etwa 45°

  • Injektion in das Unterhautfettgewebe

  • langsame Applikation

Die saisonale Influenzaimpfung wird einmal jährlich durchgeführt. Die Impfstoffzusammensetzung wird regelmäßig den zirkulierenden Virusstämmen angepasst. Die Applikation erfolgt in der Regel intramuskulär.

COVID-19-Impfstoffe werden ebenfalls in den Deltamuskel injiziert. Altersgruppen, Dosierungen und Auffrischungsintervalle richten sich nach den aktuellen STIKO-Empfehlungen und den jeweiligen Fachinformationen.

Nach der Impfung sollte jede Person überwacht werden.

Die empfohlene Beobachtungszeit beträgt mindestens 15 Minuten. Bei Personen mit Allergien oder nach früheren Reaktionen kann die Beobachtung auf 30 Minuten verlängert werden. Während dieser Zeit sollte auf folgende Symptome geachtet werden:

  • Schwindel

  • Unwohlsein

  • Atembeschwerden

  • Hautreaktionen

  • Kreislaufprobleme

Patienten sollten nach der Impfung über normale Impfreaktionen, mögliche Nebenwirkungen und Warnzeichen schwerer Komplikationen informiert werden.

Normale Impfreaktionen sind lokale Schmerzen, Rötung, Schwellung, Müdigkeit, leichtes Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Diese Beschwerden treten typischerweise innerhalb von 24 bis 48 Stunden auf und klingen spontan ab.

Eine vasovagale Synkope ist keine allergische Reaktion. Sie entsteht meist durch Angst, Aufregung oder Schmerz. Blässe, Kaltschweißigkeit, Schwindel, Übelkeit, sogar eine kurzzeitige Bewusstlosigkeit können typische Symptome sein.

Maßnahmen bei vasovagaler Synkope

  • Patient flach lagern

  • Beine hochlagern

  • enge Kleidung lockern

  • Vitalfunktionen überwachen

  • beruhigend auf den Patienten einwirken

Die meisten Betroffenen erholen sich innerhalb weniger Minuten vollständig.

Die Anaphylaxie stellt den wichtigsten Notfall im Rahmen einer Schutzimpfung dar. Sie tritt zwar sehr selten auf, kann jedoch innerhalb weniger Minuten lebensbedrohlich werden. Erste Anzeichen sind Juckreiz, Hitzegefühl, Nesselsucht sowie Lippen- oder Zungenschwellung.

Schwere Symptome

  • Atemnot

  • Bronchospasmus

  • Kehlkopfschwellung

  • Blutdruckabfall

  • Schock

Jede impfende Einrichtung, also auch jede Apotheke, benötigt einen schriftlichen Notfallplan, regelmäßig geschultes Personal und Notfallmedikamente. Bei einer Anaphylaxie sind folgende Schritte zu befolgen:

  1. Notruf 112 absetzen.

  2. Impfung sofort beenden.

  3. Hilfe anfordern.

  4. Patient lagern.

  5. Vitalfunktionen kontrollieren.

  6. Sauerstoffgabe (falls vorhanden).

  7. Adrenalin entsprechend Notfallstandard verabreichen.

  8. Übergabe an den Rettungsdienst.

Nachfolgend finden Sie einen Vorschlag für einen Notfallplan.

Alarmierung

  • Rettungsdienst (112)

  • interne Unterstützung

Sofortdiagnostik

  • Bewusstsein

  • Atmung

  • Kreislauf

Synkope

  • Flachlagerung

  • Beine hoch

  • Kontrolle der Vitalparameter

Anaphylaxie

  • Adrenalin

  • Rettungsdienst

  • fortlaufende Überwachung

Dokumentation

  • Zeitpunkt

  • Symptome

  • Maßnahmen

  • verwendete Arzneimittel